Vielen Leuten viel geben und wenig fordern (Geschäftsidee Prinzip inkl. 3 Bsp.)

Auf ‚Scheiß Schmarotzer Pack!‚ hat Andreas von Blogszene.com seinem Ärger über Leute Luft gemacht, die neben einem von ihm bereitgestellten Template zusätzlich kostenlos seine Hilfe in Anspruch genommen haben und anschließend so dreist waren, den Footerlink zu seiner Hompeage aus dem Template zu entfernen. Die zahlreichen Kommentatoren schildern ähnliche Erfahrungen und ich selbst habe ebenfalls genau diese Dinge schon öfter mal erlebt, als ich Software kostenlos ins Netz gestellt hatte. Ich habe schon in den Kommentaren meinen Senf dazu gegeben. Als ich mir anschließend noch die Sache durch den Kopf gehen ließ und überlegte, was bei mir und all den anderen (ausgenutzten) Webmastern schief gelaufen ist, kam ich auf folgendes Prinzip, was sicherlich auch oft unausgesprochener Grundbestandteil vieler Geschäftsideen ist.

– Vielen Leuten viel geben und wenig fordern –

Das Prinzip ‚Vielen Leuten viel geben und wenig fordern‚ bedeutet, dass man bei Geschäftsideen/Promotion-Kampagnen (und auch selbst dann, wenn es nur um ein Blogbeitrag geht) darauf achtet, dass viele Leute viel Nutzen dadurch haben und dass man sich im Gegenzug dafür zumindest eine klitzekleine Kleinigkeigkeit fordert. Zum besseren Verständnis nun ein paar konkrete Beispiele.

Beispiel 1 – Blogbeiträge: Blogleser – Qualität der Blogbeiträge – PIs/Werbeeinnahmen

Im einfachsten Fall schreibt ein Blogger einen Blogbeitrag. Diesen schreibt er, um viele Leser zu erreichen und man schreibt ihn so, dass die Leser möglichst viel Nutzen dadurch haben. Im Fall eines werbefinanzierten Blogs erfüllt der Leser durch das Lesen die Forderung, indem er dadurch zumindest eine PI (Page Impression = Seitenabruf) erzeugt. Da ganz viele Leser zusammen ganz viele PIs erzeugen, können diese letztendlich vermarktet werden und dem Blogger dabei helfen, Geld zu verdienen. Wenn wirklich viele Leute die Blogbeiträge lesen weil sie viel Nutzen durch die Beiträge haben, verdient unterm Strich der Blogger von allen Beteiligten am meisten mit der Sache. Denn aus dem bisschen, was er von jedem einzelnen fordert, entsteht irgendwann für ihn eine riesen Summe.

Gefahr der Geschäftsidee: Duch Contentklau oder Leser, die die kompletten Blogbeiträge werbefrei in Feedreadern lesen entgehen dem Blogger die Werbeeinnahmen und er geht bei dem Deal leer aus. (Übrigens frage ich mich schon länger, warum eigentlich in WordPress standardmäßig die Beiträge in kompletter Länge im Feed stehen. Aber das ist ein anderes Thema.)

Beispiel 2 – Linkbuilding durch Kostenloses: Webmaster – Theme-Design – Backlinks

Im Beispiel 2 gehts um die Geschäftsidee, kostenlos Homepage Templates o.ä. zu veröffentlichen, in die man im Footer einen Link zu seiner Homepage einbaut. Die vielen Leute sind hier die Webmaster, die das Template für ihre Webseiten benutzen. Das, wovon man viel gibt, ist das Template, das man mit viel Mühe erstellt hat. Die Kleinigkeit, die man fordert, ist der Backlink im Footer des Templates. Wie die Dinge zusammen hängen erkläre ich hier nicht mehr so ausführlich wie im Beispiel 1, weil ich denke, es ist euch inzwischen klar, worum es mir geht.

Gefahr dieser Geschäftsidee: Die Gefahr ist wie bei allen Beispielen, dass die vielen Leute einem das bisschen, was man sich fordert, nicht geben wollen. In diesem Fall zum Beispiel durch das Entfernen der Backlinks. Es ist daher essenziell für den Erfolg dieses Konzeptes, dass man erreicht, dass der Großteil der Webmaster die Backlinks dort lässt, wo sie sein sollen. Das könnte man zB durch ‚Verstecken im Code‘ versuchen zu erreichen, zB indem man mit verrückten Zeichen-Codierungen, erschwerenden Code-Formatierungen oder seltsam verwirrenden Ausgabepuffer-Spielchen arbeitet. Vielleicht klappt es auch, wenn man einfach an die Vernunft der Leute appelliert. Egal wie – entweder man schafft es, dass man zumindest in den meisten Fällen seine kleine Forderung erfüllt bekommt oder man lässt besser die Finger von der Sache.

Beispiel 3 – bedingter Content-Zugriff: Singles – fremde Profilfotos – eigenes Profilfoto

Zum Schluss noch eine Geschäftsidee aus dem Bereich Community Management / Community Building, die mir vor ein paar Jahren im Rahmen meiner Tätigkeit als Online-Dating-Affiliate kam, als ich mir Gedanken darüber machte, wie man heutzutage noch eine kostenlose Singlebörse mit geringem Budget etablieren kann. Irgendwie wollten wir es schaffen, die kritische Masse zu erreichen, indem wir die wenigen Mitglieder, die wir am Anfang hatten, dazu zu motivierten, die Community durch das Hochladen eigener Profilfotos aufzuwerten. Ein Teil unserer Geschäftsidee war deshalb die Idee, das die User nur dann Profilfotos anderer User sehen konnten, nachdem sie selbst eins hochgeladen hatten bzw. dieses freigeschaltet wurde. Auf das Prinzip ‚vielen Leuten viel geben und wenig fordern‚ bezogen, waren die vielen Leute die einzelnen Mitglieder, das, wovon wir ihnen viel geben konnten war die Berechtigung, alle anderen Profilfotos ansehen zu können und was wir dafür forderten, war das Hochladen eines schönen, eigenen Profilfotos. Die Sache funktionierte hervorragend und wir hatten für eine so junge Community schnell eine super gepflegte Mitgliederdatenbank. Diese Mitgliederdatenbank überzeugte wiederum neue Mitglieder um so mehr und das Wachstum der Community stabilisierte sich mit der Zeit immer mehr.

Gefahr dieser Geschäftsidee: Die Leute versuchten natürlich, die Sache zu unterlaufen, wo es nur ging. Um wirklich niemandem unberechtigten Zugriff auf die Userbilder zu gewähren, mussten wir die Profilfoto-Verzeichnisse per Script schützen und die Profilfotos manuell freischalten, da oft versucht wurde, sich mit Fotos vom eigenen Hund o.ä. Zugang zu den Fotos anderer User zu verschaffen. Unsere User, die sich bereitwillig durch Ausfüllen ihrer Profile an der Aufwertung der Community beteiligten, begrüßten unsere Mentalität der gepflegten Mitgliederprofile und der vergleichsweise gut geschützten Privatsphäre. Die Mitglieder, die partou nichts zur Community beitragen wollten und stattdessen nur ihren Nutzen daraus ziehen wollten, haben wir größtenteils sicherlich mit unserer Taktik vergrault. Aber mal ehrlich – ist das für den Aufbau einer sympathische Community nicht das beste, was passieren kann?

Einschränkungen, Risiken & Chancen

Diese Prinzip kann nur dann angewendet werden, wenn man von etwas, was andere haben wollen, viel hat und davon auch viel geben kann. Ideal sind deshalb (digitale) Informationen (Content/Texte/Ebooks, Software, Designs, Rechte, Online Tools…). Die Gefahren des Konzepts sind fast immer, dass 1. viele der vielen Leute gierig werden und anstatt des kleinen Fingers die ganze Hand haben wollen. 2. besteht die Gefahr, dass viele Leute die Forderung nicht erfüllen wollen. Die Chance besteht darin, dass eine Geschäftsidee unheimlich erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn man es schafft, dass die Forderung erfüllt wird. Die Forderung lässt sich von Fall zu Fall verschieden schwer durchsetzen. Im 2. Beispiel ist sie vergleichsweise schwer durchzusetzen, weil die Webmaster dadurch am längeren Hebel sitzen, weil es um Code auf ihrer eigenen Webseite geht. In Beispiel 3 dagegen sorgt die Community Software vollautomatisch für die Einhaltung der Forderung. Hier gibt es daher keine Probleme mit deren Durchsetzung.

Investitions-Taktik 1: Stabilisierung

Sehr viel geben – sehr wenig fordern.

Wer den Leuten super viel oder etwas super tolles gibt oder etwas, was super viel Arbeit gemacht hat gibt und dafür sehr wenig fordert, wird sehr viele Leute damit begeistern können. Da es eher lange dauert, dass sehr viele Leute etwas kennenlernen/nutzen, ist die Amortisationszeit bei dieser Taktik eher groß. Für diese Taktik sollte man einen langen Atem haben, um die Zeit bis zur Amortisation bequem überbrücken zu können.

Investitions-Taktik 2: Schneller Erfolg

Nicht so wahnsinnig viel geben – eher viel fordern.

Schneller amortisieren sich meist Investitionen, die nicht so ‚teuer‘ (auch zB im Sinne eingesetzter Arbeit) sind. Allerdings werden sich hiervon auch weniger Leute begeistern lassen und man wird in den seltensten Fällen „das großes Ding“ landen. Falls man doch Erfolg damit hat, ohne viel dafür getan zu haben, ist die Sache sicherlich auch für Konkurenten interessant. Evtl hat man einen First Mover Vorteil.

Reale Investitionen liegen irgendwo dazwischen

Reale Investitionen liegen irgendwo zwischen der stabilen Variante und dem schnellen Erfolg. ‚Schnell mal WordPress mit nem Standard-Template installiert, 50 Beiträge über ein Thema gebloggt, von dem fast jeder Ahnung hat und zwischendurch ein paar Affiliate-Links und Adsense/PopUps eingebaut‚ bringt wohl eher den schnellen Erfolg, der aber dann nicht so riesig ausfallen wird. Obwohl es natürlich auch mit noch weniger Aufwand geht, zB ohne eigene Homepage bei Paid4-Anbieter, Meinungsumfragen, usw. Eine höhere Investition dagegen wäre bspw. wenn man sich seit Jahren mit einem Thema befasst und darüber inzwischen viel mehr Ahnung als Hinz und Kunz hat, darüber eine schöne Homepage mit gut verständlichen Texten macht und auch noch in ein ansprechendes, dem Thema angepasstes, Design investiert.